Gutes Gesprächsklima bei Klimagesprächen?!

von Marie Mayer, am 12.12.2023

Auch wenn wir uns in der kalten Jahreszeit befinden, können Familientreffen rund um die Weihnachtsfeiertage manchmal ganz schön hitzig werden. Egal ob indiskrete Fragen zur Familienplanung („Und wann ist es bei euch soweit?“) oder ein Wettstreit darum, welches Familienmitglied die bessere Karriere macht oder das größere Gehalt aufs Konto überwiesen bekommt – nicht jedes Familientreffen läuft so harmonisch und besinnlich ab, wie wir uns das manchmal wünschen. Besonders hitzig kann es werden, wenn komplexe gesellschaftliche Themen wie der Klimawandel als Beilage zum Festtagsessen serviert werden.

Familie bei der Bescherung unterm Weihnachtsbaum

Immerhin 10 Prozent der Deutschen sind davon überzeugt, dass es den menschgemachten Klimawandel nicht gibt. Da hat jede:r bei einem größeren Familienfest realistische Chancen, „zum Handkuss zu kommen“. Doch was tun, wenn du dich unerwartet in einer Klimawandel-Diskussion wiederfindet? Wir haben für dich nicht nur Ideen zur Gesprächsführung, sondern auch Fakten zusammengetragen, um für alle Fälle gerüstet zu sein…

Die Wissenschaftler:innen sind sich doch gar nicht einig, ob es den Klimawandel gibt.

Diese Aussage ist so einfach nicht korrekt. Hier gilt es gleich zu Beginn sachlich zu unterscheiden, denn: Es ist nicht umstritten, ob es den menschgemachten Klimawandel gibt – 99 Prozent aller Wissenschaftler weltweit sind überzeugt, dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt. Uneinigkeit herrscht in der wissenschaftlichen Diskussion nur um die Auswirkungen, welche die rasche Erderwärmung haben wird. Diesen Unterschied gilt es im Gespräch mit Familienmitgliedern sachlich darzustellen.

Auch das grundsätzlich richtige Argument, dass sich das Klima schon immer verändert hat, wird gerne dafür verwendet, um die Auswirkungen des Menschen herunterzuspielen. Allerdings kann auch hierzu erwähnt werden, dass vorangegangene Klimawandel in der Vergangenheit auch zum Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten geführt haben und darüber hinaus eben auch bewiesen haben, dass Gase wie CO₂ das Klima erwärmen.

Es ist jetzt ohnehin zu spät, wir können das Ruder nicht mehr herumreißen.

In so einem Satz kommen zwei unterschiedliche Aspekte zusammen – und es kann helfen, diese getrennt voneinander zu betrachten. Der emotionale Aspekt daran ist einer, den wir alle in unterschiedlicher Stärke spüren: unsere Hilflosigkeit angesichts der Komplexität des Themas. Diese Ohnmacht bei dem/der Gesprächspartner:in anzuerkennen, kann einer Eskalation vorbeugen. „Ja, das kenne ich. Manchmal habe ich auch das Gefühl überhaupt keinen Unterschied machen zu können – und eine:r allein kann es ja tatsächlich nicht schaffen.“

So ein Bekenntnis nimmt Spannung aus den Segeln und kann das Gesprächsklima verbessern.

Unabhängig von unserer Befindlichkeit ist es aber auch wichtig zu sehen, dass es ja nicht nur um das Handeln einer Einzelperson geht, sondern auch um die Vorbildwirkung, die dadurch entsteht: Je mehr Menschen anfangen, sich um nachhaltigen Konsum und eine umweltverträgliche Lebensweise zu bemühen, desto selbstverständlicher wird dieses Thema – sowohl in der Politik als auch im internationalen Zusammenleben. Wenn Deutschland oder Österreich sich nicht bewegen, werden die USA oder Indien wohl auch keine Versuche in Richtung CO₂-Reduktion unternehmen.

Rein faktisch sei zu diesem Thema übrigens zu sagen, dass gerade Deutschland beim CO₂-Ausstoß pro Kopf ungefähr doppelt so hoch liegt, wie der weltweite Durchschnitt und die Deutschen knapp fünfmal so viel CO₂ emittieren wie ein Mensch in Indien. Das bedeutet also, dass unsere Verhaltensänderung pro Person viel stärkere Auswirkungen hat, als die von Menschen in anderen Ländern.

Person genervt von Familienmitglied

Manche Dinge, wie Fleischessen oder Fliegen, werde ich sicher nicht aufgeben.

Auch hier ist es empfehlenswert, sich mit Interesse dem/der Gesprächspartner:in zu nähern und diese Aussage konkreter und persönlicher werden zu lassen. Das gelingt einerseits, indem wir selbst in Ich-Botschaften sprechen („Ich tue mir schwer dabei, auf Avocados zu verzichten, aber der Umstieg vom Auto auf das Rad ist mir sehr leicht gefallen.“) und andererseits der Versuchung widersteht, in man-Sätzen zu argumentieren („Man kann doch heutzutage nicht mehr fliegen/Avocados essen“). Auch eine ehrlich gemeinte Frage kann helfen, die Fronten beim Familienessen nicht unnötig zu verhärten: („Welche Maßnahme würde dir denn besonders schwerfallen?“ „Was würdest du zuletzt/niemals aufgeben?“)

Aber auch umgekehrt gesetzt, kann eine solche Frage durchaus interessante Effekte haben und zu neuen Gedanken führen. („Was würde dir besonders leicht fallen zu ändern?“ „Welche Veränderungen hältst du persönlich für am effektivsten?“) Diese Frage führt dazu, dass sich Menschen, die normalerweise nur daran denken, was sie alles NICHT ändern, plötzlich Gedanken dazu machen, was sie ändern könnten…

Jeder Versuch zählt

Und sollten die Gespräche einmal völlig ausarten, sei hiermit daran erinnert, dass es bei den meisten Familienfeiern ein paar „gemeinsame Nenner“ gibt, die – während die Erwachsenen am Tisch diskutieren – die Zeit dafür nutzen, um unbemerkt die Schoko vom Baum zu futtern: Die Kinder. Denn ganz egal, ob wir mit unseren Bestrebungen, den Klimawandel zu bremsen, Erfolg haben oder grandios scheitern werden: Wer möchte sich schon vor die Kleinsten hinstellen müssen und ihnen ins Gesicht sagen, dass wir es nicht einmal ernsthaft versucht haben…?


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